• Veronika Egger

Gesundheitstourismus Quo Vadis?

Und wie dieses touristische Phänomen im Südtiroler (Tourismus-)Lande umgesetzt wird.


Gesundheitstourismus - die Begrifflichkeit

Der Begriff Gesundheitstourismus ist einerseits allgegenwärtig und wird andererseits sehr unterschiedlich ausgelegt. Für diesen Beitrag wird folgende Definition der Begrifflichkeit verwendet: Gesundheitstourismus ist ein Oberbegriff für Reisen, bei denen medizinische Behandlungen und Gesundheitsdienstleistungen einen Schwerpunkt bilden. Zweck des touristischen Aufenthalts sind die physische wie auch psychische Erhaltung, Stabilisierung und Wiederherstellung der Gesundheit.


Mittlerweile haben sich zahlreiche und teilweise auch sehr unterschiedliche Segmente im Gesundheitstourismus gebildet. So reicht die Bandbreite von Wellnesstourismus, bei welchem die körperliche und geistige Entspannung im Vordergrund steht, über Medical Wellness mit spezialisierten medizinischen Anwendungen unter ärztlicher Begleitung bis hin zum Medizintourismus als Ziel zur Konsumation von kostengünstigeren medizinischen Eingriffen im Ausland. Auch der Kur- und Thermaltourismus, welcher grundsätzlich auf ärztliche Verschreibung unternommen und somit mindestens zum Teil von Krankenkassen beglichen wird, zählt zum Gesundheitstourismus.


Ausgehend von der Positionierung auf das jeweilige Segment im Gesundheitstourismus, hat der Gastgeber es auch mit einem unterschiedlichen Gästeklientel zu tun: vom gesundheitsbewussten Besserverdiener, welcher sich zur Prävention in privat finanzierte ärztliche Betreuung gibt bis hin zum Kassenpatienten, welcher unter einer chronischen Erkrankung leidet und den Hotelaufenthalt nicht aus Vorsorge sondern vielmehr zur Krankheitsbehandlung in Anspruch nimmt.


Gesundheit - ein Trend im Höhenflug

Bereits in der Studie Zukunft Tourismus Südtirol 2030, welche 2017 von Eurac Research publiziert wurde, sind sich die befragten Experten einig, dass der Gesundheitstrend großes Potential für die Produktentwicklung aufweist. Insbesondere für die immer älter werdende Gästegruppe bietet sich dieses Thema mit Fokus auf Prävention und mentale Gesundheit an.


Zahlreiche Studien belegen, dass der Gesundheitstourismus ein signifikantes und schnell wachsendes Tourismussegment darstellt. Gleichzeitig ist es aufgrund der unterschiedlichen Auslegung der Begrifflichkeit schwierig, eindeutige und vergleichbare Zahlen zu Papier zu bringen. Klar jedoch ist: Gesundheit als einer der zentralen und für jedermann wichtigen Werte, hat sich in den letzten Jahren tief in unserem Bewusstsein verankert und ist zum Synonym für hohe Lebensqualität geworden. Das Gesundheitsbewusstsein ist ganzheitlich und reicht vom gesunden Ernährungsstil, dem Streben nach einem noch gesünderen und fitteren Körper bis hin zur proaktiven Gesundheitsvorsorge und mentalen Weiterbildung zu Gesundheitsthemen.



Gesundheitstourismus in Südtiroler Betrieben

Sieht man sich das Angebot der Hotelbetriebe in Südtirol an, welche sich einem Segment des Gesundheitstourismus widmen, dann lässt sich folgendes Bild zeichnen:


Einerseits wartet Südtirol mit Traditionsunternehmen wie dem Palace Merano und der Villa Eden auf, welche mit jahrelanger Erfahrung im Gesundheitsbereich und einer definierten eigenen Methodik, basierend auf medizinischen Grundlagen, ihre Gäste in ihren Räumlichkeiten umsorgen. Andererseits werben Betriebe, welche sich klar im gehobenen und Luxus-Wellnessbereich positioniert haben, mit medizinischen Zusatzangeboten, die über Kooperationen mit Privatkliniken oder eigenständigen Privatärzten abgewickelt werden.


Das Herantasten an dieses von Tourismusforschern als so boomende Segment gepriesen, haben in Südtirol aktuell knapp 15 Betriebe gewagt. Dass es sich hierbei um ein sehr anspruchsvolles Thema handelt, weiß auch Dr. Julia Götsch Kofler zu berichten. Sie hat mit Juli 2021 das Pazeider Medical Center eröffnet und versorgt aktuell vor allem Kunden, welche nicht als Gast im Hotel verweilen. Mit einem klar umrissenen Gesundheitskonzept und vor allem dem dazu abgestimmten Ernährungsangebot im Hotel wird auch die Nachfrage seitens Hotelgästen steigen, ist die Medizinerin überzeugt. Gleichzeitig macht sie auch darauf aufmerksam, dass vor allem die Versicherungssituation in Italien den großen Unterschied zu Nachbarländern wie Österreich und Deutschland ausmacht. Private Krankenversicherungen oder Zusatzversicherungen sind bei uns noch nicht gang und gäbe und so ist die Kostenrückerstattung von Behandlungen oft nicht einfach, touristische Betriebe können somit auch nicht auf einen quasi fixen Anteil an Krankenkassa-Patienten bauen.


Obwohl Südtirol über regional verortete Heil- und Entspannungressourcen, natürliche Heilquellen, ein günstiges Klima, hochwertige, gesunde Küche sowie einem gesundheitsfördernden Naturraum verfügt - also die besten Voraussetzungen für gesundheitsorientierten Tourismus bietet - setzen bisher erst vereinzelte Unternehmer auf die Positionierung in diesem Segment. Vielleicht erlangt dieses Thema auch in den kommenden Jahren einen großen Aufschwung, dank Post-Corona und sich ändernden Versicherungssituationen. Fest steht auf jedem Fall: eine Positionierung in diesem Segment erfordert neben hohen Investitionskosten in die Hardware und dem entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter:innen vor allem auch ein hohes Fingerspitzengefühl für die individuellen Belange der Gäste und Patient:innen.



Zur Gastautorin:

Veronika ist fest verankert im Tourismus - mit Herz und Seele, liebt es diesen kritisch zu hinterfragen und neu zu denken.


 

Quellen und weiterführende Informationen:


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